Die Dayak Wehea-Kultur

Die Dayak Wehea-Kultur

Vor Kurzem hatte unser Commu­nity-Entwick­lungs­team von PT. RHOI die Möglich­keit eine Reihe von Inter­views mit einigen der in unserem Arbeits­be­reich in Muara Wahau lebenden Dayak Wehea durch­zu­führen. Wir hofften, dadurch weitere Einblicke in Kultur und Tradi­tionen der Dayaks zu erhalten.

Iden­ti­täts­un­ter­schei­dung von anderen subeth­ni­schen Dayak-Gruppen

Die meisten Einhei­mi­schen, mit denen wir spra­chen, erzählten, dass ihre Tradi­tionen sich von denen anderer subeth­ni­scher Dayak-Gruppen unter­scheiden. Das offen­sicht­lichste Beispiel ist ihre Sprache. Im tägli­chen Wort­schatz bezeichnen die Dayak Wehea den Morgen als “Guang Mas”, den Mittag als “Mae Dea”, den Nach­mittag als “Lanhop / Nehop” und den Abend als “Maedem / Mlam”. Zum Vergleich: Die glei­chen Wörter in Dayak Kayan — einer anderen subeth­ni­schen Gruppe in einem nahe gele­genen Gebiet — sind “jimaq”, “ngedau”, “leviq dau” und “malam”.

Dorfatmosphäre
Dorfatmosphäre

Im indo­ne­si­schen Borneo gibt es bis zu 405 subeth­ni­sche Dayak-Bevöl­ke­rungs­gruppen (Quelle: Pesona Indo­nesia). Das Volk der Dayak Wehea wurde jedoch bislang nicht offi­ziell als unab­hän­gige subeth­ni­sche Gruppe aner­kannt. Solch eine Aner­ken­nung ist jedoch bedeutsam, da sie es den Menschen in Dayak Wehea ermög­li­chen würde, ihre Tradi­tionen und Kultur offi­ziell zu schützen und zu bewahren. Vor allem in Bezug auf Sprache, Weis­heit, Kunst, Etikette und Gewohn­heits­ge­setze wäre dies bedeutsam.

Ein Gewohn­heits­ge­setz der Dayak Wehea ist das Tuhing, das es Außen­ste­henden verbietet, in bestimmten Zeit­räumen ohne entspre­chende Erlaubnis ein Dorf zu betreten. Wenn dieses Gewohn­heits­recht verletzt wird, wird die betref­fende Person mit einer bestimmten Geld­buße oder der Entrich­tung einer bestimmten Vieh­menge an Schweinen oder Hühnern bestraft.

Anders bei den Dayak Kayan: Dort werden dieje­nigen, die das Gesetz verletzen, an die Behörden über­geben und dann gezwungen, eine Buße in Form von Geld oder Wert­sa­chen zu zahlen, typi­scher­weise eine wert­volle Machete in Familienbesitz.

Pak Ledjie Be säubert die Statuen seiner Vorfahren
Pak Ledjie Be säubert die Statuen seiner Vorfahren

„Die Dayak Wehea-Tradi­tion ist eine Lebens­weise, die wir niemals hinter uns lassen können, selbst wenn wir jemanden aus einer anderen Dayak-Gruppe mit anderen Tradi­tionen heiraten. Die Zeiten mögen sich ändern, aber wir werden unsere Tradi­tionen beibe­halten und an unsere Kinder weiter­geben “, erklärte eine Mutter aus dem Dorf Dea Beq.

Werte des Lebens in einer Gemeinschaft

Laut Fajaria (auch bekannt als Ria), einer Kran­ken­schwester in einer kleinen öffent­li­chen Klinik im Dorf Diaq Lay, können die Tradi­tionen von Dayak Wehea Einfluss darauf haben, wie verschie­dene Mitglieder der Gemeinde inter­agieren. Die ältere Gene­ra­tion ist den Werten und Tradi­tionen immer noch treu, während viele der jüngeren Menschen beginnen, dieje­nigen zu über­sehen, die sie als zu streng oder unver­nünftig ansehen.

Interview mit Einwohnern
Inter­view mit Einwohnern

Eine alte Tradi­tion der Dayak Wehea ist es auch, dass sie während einer Reise gezwungen sein könnten anzu­halten oder sogar umzu­kehren, wenn sie einer bestimmten Schlange begegnen oder den Ruf eines spezi­ellen Vogels hören. Sie glauben, dass diese Ereig­nisse Pech bedeuten oder zumin­dest höchste zusätz­liche Vorsicht erfor­dern. Diese Art von Weis­heit wird von der jüngeren Gene­ra­tion als über­holt und veraltet angesehen.

Ledjie Be, der Sekretär von Lembaga Adat Besar Dayak Wehea (das große Haus der Dayak Wehea), versucht nun im Unter­be­zirk Muara Wahau, der die sechs Dörfer umfasst, eine Zoll­schule für Dayak Wehea einzu­richten. Er möchte, dass die Kunst und die tradi­tio­nellen Werte der Dayak Wehea formal gelehrt werden, damit das Wissen an jüngere Gene­ra­tionen weiter­ge­geben werden kann.

Die Tradi­tionen der Dayak Wehea legen großen Wert auf Team­ar­beit und gegen­sei­tige Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung tägli­cher Akti­vi­täten. Dies zeigt sich im Ritual der Rodung, des Reis­pflan­zens und der Ernte­feste, die als Mbob Jengea bekannt sind. An dieser Tradi­tion sind alle Mitglieder der Dayak Wehea, sowohl junge als auch alte, als eine kollek­tive Einheit beteiligt. 

Kunst und Kultur

Zwar besteht die Sorge, dass Mitglieder der jüngeren Gene­ra­tion sich von den tradi­tio­nellen Werten von Dayak Wehea abwenden, doch scheinen einige immer noch aktiv an den Werten fest­zu­halten. Nehmen wir zum Beispiel Febby, ein Mädchen aus dem Dorf Diaq Lay, das häufig an Kunst­auf­füh­rungen und tradi­tio­nellen Veran­stal­tungen in allen sechs Dörfern der Dayak Wehea teil­nimmt. Sie liebt es, tradi­tio­nelle Tänze aufzu­führen und erhält zusammen mit ihren Freunden regel­mäßig Einla­dungen zu lokalen Festi­vals und Veran­stal­tungen. Außerdem unter­richtet sie tradi­tio­nellen Tanz in der außer­schu­li­schen Klasse ihrer Schule.

„Ich würde viel lieber den tradi­tio­nellen Dayak Wehea-Tanz tanzen als die modernen, auslän­di­schen Tänze, die meine Kollegen norma­ler­weise mögen. Es ist in Ordnung, sich für fremde Kultur zu inter­es­sieren, aber wir dürfen unsere eigene nicht vergessen “, betont Febby.

Dann gibt es noch Henri, einen jungen Mann aus dem Dorf Nehas Liah Bing, der einst ein Petkuq Mehuey war, eine lokale Bezeich­nung für einen Wächter des Wehea Protec­tion Forest, wo Orang-Utans wild und frei leben. Er trat zurück, um eine Ausbil­dung in Sama­rinda zu absol­vieren, kehrte aber später in seine Heimat­stadt zurück, um als Kartie­rungs­spe­zia­list im Dorf­büro zu arbeiten. Er enga­giert sich intensiv für die Erhal­tung und den Schutz der Kultur und der Wälder der Dayak Wehea.

Henrikus
Henrikus

Es ist wichtig, dass Tradi­tionen, Kulturen und alte Weis­heiten über Gene­ra­tionen weiter­ge­geben werden, um zu über­leben. Da wir jedoch wissen, dass es Menschen gibt, die sich für die Bewah­rung der Tradi­tionen und Bräuche der Dayak Wehea einsetzen, sind wir über­zeugt, dass diese lokale Bevöl­ke­rungs­gruppe noch viele Gene­ra­tionen über­leben wird. Henrikus, ein tradi­tio­neller Führer im Dorf Nehas Liah Bing, hofft sicher­lich, dass dies der Fall ist: „Unser Weg hat aus einem bestimmten Grund Hunderte von Jahren über­lebt. Er ist unsere Iden­tität und unser Über­le­bens­mittel. Wir können es uns einfach nicht leisten, ihn jetzt verschwinden zu lassen. “

Werden auch Sie zum BOS-Unter­stützer! Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

Haus­ge­machte Plagen — ein Kommentar von BOS-Geschäfts­führer Daniel Merdes

Haus­ge­machte Plagen — ein Kommentar von BOS-Geschäfts­führer Daniel Merdes

April 2020. Wer erin­nert sich noch an die verhee­renden Busch­brände in Austra­lien? Nur wenige Monate sind seitdem vergangen, und schon sind sie durch die nächste Krise fast in Verges­sen­heit geraten. 

Das Corona-Virus domi­niert alle Kanäle, ob medial oder in unseren Köpfen. Wir dürfen aber auf keinen Fall vergessen, dass beide Krisen die Symptome einer Krank­heit sind: des rasanten Zusam­men­bre­chens der welt­weiten Ökosys­teme, das solche Krisen in immer schnel­lerer Abfolge zum Ergebnis hat.

Natür­lich muss in einer Krise schnell und dras­tisch reagiert werden. Alle Mann an Deck. Bzw. wie bei uns ins Home­of­fice. Wir dürfen aber dabei nicht die wesent­lich größere Aufgabe vergessen: die lang­fris­tige Wieder­her­stel­lung der Balance zwischen Menschen und Planeten. 

Das Corona Virus ist eine schreck­liche Kata­strophe für die Mensch­heit. Unbe­stritten. Aber sie ist nicht die erste auf der Liste zoono­ti­scher Krank­heiten (von Tieren auf Menschen über­trag­bare Krankheiten).

Pande­mien als Folge von Habitatsverlust

Die lange Liste von Zoonosen zeigt in den meisten Fällen das gleiche Muster: den voran­ge­gan­genen Konsum von Wild­tieren (entweder in Form von Fleisch oder soge­nannter tradi­tio­neller chine­si­scher oder asia­ti­scher Medizin). Meist an den zerfransten Über­gängen der letzten noch erhal­tenen Regen­wälder dieser ächzenden Erde. Aber zuneh­mend auch – aufgrund von stei­gender Nach­frage bei sinkendem Angebot – aus der Tiefe von bis dato fast unbe­rührten Primärwäldern. 

Der Verlust von natür­li­chen Habi­taten und Biodi­ver­sität und die gleich­zei­tige Zunahme von Tier-Mensch-Kontakten ist das perfekte Rezept für ein Desaster, welches uns jetzt schon wie eine der Plagen aus dem alten Testa­ment vorkommt. Gleich­zeitig warnt die Wissen­schaft seit Jahren und prophe­zeit noch Schlim­meres. In einem aktu­ellen Artikel von John Vidal wird davon ausge­gangen, dass bei weiterem Zurück­drängen von Habi­taten und Biodi­ver­sität zoono­ti­sche Krank­heiten wie Corona weiter zunehmen werden. 

Die aufkom­menden Epide­mien erin­nern mich bild­lich an Stürme oder Brände. Beides gab es schon, bevor der Mensch anfing sich in die letzten Winkel der Erde zu verbreiten. Durch die menschen­ver­ur­sachte Klima­ka­ta­strophe nehmen diese zerstö­re­ri­schen Ereig­nisse aber zu. Regio­na­li­siert auf die deut­schen „Rekord­sommer“ fällt ja immer das Argu­ment, dass es in früheren Jahren mal einen noch heißeren Sommer gab. Das mag stimmen, aber nicht mehrere Sommer in Folge mit entspre­chend heißen Temperaturen. 

In einem ähnli­chen Zusam­men­hang ist die Zunahme von Krank­heiten durch die Zerstö­rung von Ökosys­temen zu betrachten. Durch unser maßloses Eingreifen in intakte Ökosys­teme schaffen wir das Ausbreiten meist vermeid­barer Epidemien. 

Kata­stro­phen wie Brände oder Epide­mien passieren. Ihnen gehört wie im derzei­tigen Kata­stro­phen­fall die volle Aufmerk­sam­keit. Aber um sie lang­fristig zu verrin­gern, führt kein Weg an einer wirk­li­chen Ursa­chen­be­kämp­fung vorbei. 

Globale Probleme brau­chen lokale Lösungen

Aber wie? Globale Probleme zu bekämpfen, beginnt immer mit lokalen Lösungen (und nicht inter­na­tio­nalen Klima­kon­fe­renzen). Was muss sich dring­lich bei uns verän­dern? Antworten können nur system­im­ma­nent gefunden werden. 

Wir erleben täglich (Wirt­schafts-) Geschichte: Erst­malig gibt es in Deutsch­land eine epide­mio­lo­gi­sche Begrün­dung dafür, massen­haft Geld ins System zu pumpen, um den krisen­ge­beu­telten globalen Kapi­ta­lismus zu stabi­li­sieren. Eigent­lich die perfekte Zeit für einen soge­nannten „Green New Deal“: den Umbau unseres wachs­tums­ba­sierten Wirt­schafts­sys­tems auf vorrangig nach­hal­tige Ziele und den Fokus auf Erhalt der lebens­er­hal­tenden Ökosys­teme dieser Erde. 

Dabei waren die abstrakten und akade­mi­sche Debatten der letzten Jahre um eine sozial-ökolo­gi­sche Trans­for­ma­tion nicht hilf­reich bzw. haben ihrem Dunst­kreis nicht entkommen können. Nicht erst im Nach­hinein erstaun­lich ob dieser fahr­läs­sigen Blind­heit unserer Politik- und Wirtschaftseliten. 

Doch wir müssen die Zeichen der Zeit richtig deuten. Lässt sich das, was aktuell wirt­schaft­lich ins Rutschen kommt, mit einem grünen Inves­ti­ti­ons­paket aufhalten? Der Kapi­ta­lismus basiert auf der perma­nenten Erzeu­gung von Einkom­mens­strömen. Arbeit­nehmer brau­chen fort­lau­fendes Arbeits­ein­kommen, um ihren Lebens­un­ter­halt zu bestreiten. Unter­nehmen brau­chen einen perma­nenten Profit­strom, um am Markt bestehen zu bleiben, Anleihen zu verkaufen und ihre Kredite zu bedienen. Da diese Einkom­mens­ströme nun versiegen, tritt zu Tage, was sich über die vergan­genen Jahr­zehnte aufge­baut hat: ein massiver Schul­den­berg, der das Wachstum in der neoli­be­ralen Epoche künst­lich am Laufen gehalten hat. Die Null­zins­po­litik und gewal­tigen Anlei­hen­käufe der Zentral­banken haben diesem System nach der Finanz­krise 2007/2008 weitere Zeit gekauft. Die bisher verab­schie­deten Inves­ti­ti­ons­pa­kete werden nicht ausrei­chen, um den nun zu Tage tretenden ökono­mi­schen Schaden zu begrenzen. Und der ökono­mi­sche Lock-Down wird nicht nur Monate anhalten – er wird in Zyklen wieder­kehren, bis ein Impf­stoff verfügbar ist.

Green New Deal als Lösung?

Ein Green New Deal scheint hier zu kurz zu greifen, er erreicht nicht die Beschäf­ti­gungs- und Refi­nan­zie­rungs­ef­fekte, die dem histo­ri­schen New Deal seine traum­haften Wachs­tums­raten beschert hat. Die Wachs­tums­res­sourcen des globalen Kapi­ta­lismus – auch im wört­li­chen Sinne seiner mate­ri­ellen Ressourcen – sind nach­haltig erschöpft. Dazu kommen exis­ten­ti­elle Bedro­hungen wie die Klima­ka­ta­strophe sowie globale Pande­mien, die eine nach­hal­tige, plan­volle Form des Wirt­schaf­tens erfordern.

Die Debatte um notwen­dige und vernach­läs­sig­bare Produk­tion, die Umstel­lung der Produk­tion etwa von Auto­zu­lie­fe­rern auf Medi­zin­pro­dukte und die staat­liche Stüt­zung der Unter­nehmen bieten hier Ansatz­punkte. Neben den nahe­lie­genden sozi­al­po­li­ti­schen Forde­rungen müssen in den kommenden Monaten Ansätze eines neuen wirt­schafts­po­li­ti­schen Para­digmas disku­tierbar gemacht werden, das in der Lage wäre, eine ökono­mi­sche Alter­na­tive zu bilden. Dieses alter­na­tive Para­digma sollten neben massiver sozialer Umver­tei­lung und dem ökolo­gi­schem Umbau der Wirt­schaft auch Elemente der Verge­sell­schaf­tung und der demo­kra­ti­schen, digital unter­stützen Wirt­schafts­pla­nung

Nicht zuletzt darf die heiße Kartoffel „Bevöl­ke­rungs­wachstum“ nicht den Popu­listen und Rechten über­lassen werden. Statt­dessen muss dieser schmerz­liche Diskurs in die Mitte einer globalen Lösungs­fin­dung und weit entfernt von Stamm­ti­schen alternder Gesell­schaften stattfinden. 

Eine tief­grei­fende Trans­for­ma­tion wird statt­finden. Ein „weiter so“ ist keine Option. In welche Rich­tung sie verläuft – eine sozial-ökolo­gi­sche oder eine auto­ri­täre — ist davon abhängig, wie nun die Weichen gestellt werden. 

 

Daniel Merdes, 16.04.2020

Die besten Frei­zeit­tipps: Bücher über Orang-Utans

Die besten Frei­zeit­tipps: Bücher über Orang-Utans

Die derzei­tige Corona-Krise zwingt die meisten Menschen dazu, konse­quent zu Hause zu bleiben. Neben Home-Office, Home-Schoo­ling und anderen Pflichten, die erle­digt werden wollen, bleibt da so manche freie Stunde, die sinn­voll genutzt werden kann.

Wie wäre es damit, gemeinsam Filme über Orang-Utans zu schauen, Bücher mit Geschichten aus dem fernen Asien zu lesen oder auch mal einem Hörspiel mit Geräu­schen aus dem Regen­wald zu lauschen? Das bringt der ganzen Familie Spaß, und alle können etwas dabei lernen. Wir wollen an dieser Stelle in loser Reihen­folge Tipps für eine abwechs­lungs­reiche Frei­zeit während und auch nach der Krise geben. 

Übri­gens, wer in den Online-Shops, die wir an manchen Stellen als Einkaufs­hilfe angeben, bestellt, kann damit sogar noch unsere Arbeit für die Orang-Utans unter­stützen. Ein Teil des Verkaufs­er­löses wird dann nämlich direkt an BOS weiter­ge­leitet. Und es kostet keinen Cent mehr! Wie es funk­tio­niert, erklären wir HIER.

Bücher über Orang-Utans

Unsere rothaa­rigen Artver­wandten haben schon immer die Phan­tasie vieler Schrift­steller ange­regt. Und manche durften den Menschen­affen sogar selbst schon gegen­über­stehen. Um sie alle und die einzig­ar­tigen Begeg­nungen geht es in unseren Buchtipps.

 

Kleiner Dodo — Was spielst du?

Dodo, der kleine Orang-Utan, entdeckt mitten im Urwald ein sonder­bares Ding. Schnell findet er heraus, wie er diesem Ding die tollsten Töne entlo­cken kann. Doch dann fällt sein Spiel­zeug in den Fluss — und mit dem Musi­zieren ist es vorerst vorbei. Zum Glück findet Dodo in Onkel Darwins Höhle einen Ersatz und noch viele weitere Instru­mente für seine Freunde. Jetzt wird es laut im Urwald.

(u.a. bei buecher.de)

 

Der Malay­ische Archipel — Die Heimat von Orang-Utan und Paradiesvogel

Seit jeher steht der Autor Alfred Russel Wallace zu Unrecht im Schatten Charles Darwins und dessen Evolu­ti­ons­theorie. Denn bereits 1858, ein Jahr vor Erscheinen „Über die Entste­hung der Arten“ Darwins, fertigt Wallace sein Ternate-Manu­skript zu den Mecha­nismen der Evolu­tion an – die Ähnlich­keiten zu Darwins Über­le­gungen sind verblüf­fend. Dem Natur­for­scher ist darüber hinaus eine beein­dru­ckende Sammel­tä­tig­keit diverser Tier- und Pflan­zen­arten zuzu­schreiben, die er während seiner Reisen zum Amazonas (1848–1852) und in den Malay­ischen Archipel (1854–1862) pflegt. Eines der bedeu­tendsten Bücher über die indo­ne­si­schen Inseln.

(u.a. bei thalia.de)

 

Das Dschun­gel­buch 1&2

Bisher kannten wir nur das halbe Dschun­gel­buch … Mogli, Balu und Baghira, die kennen wir. Aber was ist mit Rikki-Tikki-Tavi, dem nimmer­satt neugie­rigen Mungo, der gerettet wird, um schließ­lich selbst zum Retter zu werden? Was mit Vixen, dem Hund, der ein ganzes Mili­tär­lager um den Schlaf bringt? Und was ist mit dem unglaub­li­chen Sumpf­kro­kodil, das noch das letzte Weiß­ge­sicht aus dem Dschungel vertreibt? Alle lieben wir das Dschun­gel­buch, aber bislang konnten nur wenige die ganze beein­dru­ckende Welt Kiplings entde­cken. Aber Vorsicht: Diese Wildnis ist kein Kinder­pa­ra­dies! Und zuge­geben, hier geht es nur in Teilen um Orang-Utans, dennoch: Für Regen­wald-Freunde ist dieser Klas­siker ein Muss!

(u.a. bei hugendubel.de)

 

Jacky — Ein Orang-Utan sucht den Dschungel

Das kleine Orang-Utan-Kind Jacky muss viel lernen… Alles was es für ein freies und selbst­be­stimmtes Leben im Dschungel braucht. Doch seine Lehrer sind nicht andere Menschen­affen, sondern Menschen. Die wahre Geschichte des kleinen Orang-Utan Kindes Jacky, das wegen Brand­ro­dungen auf Borneo seine Eltern und seinen Lebens­raum verliert, aber nicht den Mut. Jacky wird von Menschen aufge­zogen und kann als “Jugend­liche” in den Dschungel zurück­kehren… Kunst­buch mit wunder­schönen Malereien.

(u.a. bei ebay.de)

 

Henry rettet den Regenwald

Eine Bewe­gung muss in Gang kommen …Henry, ein kleiner Orang-Utan, lebt glück­lich und zufrieden mit seiner Mutter in den Regen­wäl­dern der Insel Borneo. Doch schnell muss er lernen, dass seine Heimat und seine Artge­nossen durch die Abhol­zung und Brand­ro­dung der Menschen bedroht sind. Um Verbün­dete zu finden und seinen Lebens­raum zu schützen, macht sich Henry auf die weite Reise rund um den Globus. Aber ob diese ihm helfen kann, seinen geliebten Regen­wald zu retten?

(u.a. bei amazon.de)

 

Wer durch unsere Frei­zeit­tipps auf den Geschmack gekommen ist, kein Problem. Jeder kann Orang-Utan-Unter­stützer werden! Mit einer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regen­wald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.

 

Tiere aus Kali­mantan: Das Sunda-Pangolin

Tiere aus Kali­mantan: Das Sunda-Pangolin

Kali­mantan ist der indo­ne­si­sche Name für die Insel Borneo, der dritt­größten der Welt nach Grön­land und Neuguinea. Kali­mantan ist auch die Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich mit unzäh­ligen anderen Tier­arten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaa­rigen Vettern. Wir stellen hier in loser Reihen­folge immer wieder einige dieser faszi­nie­renden Geschöpfe vor. 

Das Sunda-Pangolin (Manis java­nica

Pango­line oder Schup­pen­tiere erin­nern irgendwie an wandelnde Tannen­zapfen und gehören vom äußeren Erschei­nungs­bild her wohl zu den selt­samsten Säuge­tieren. In acht Arten bilden sie in Afrika und Asien einen Bestand­teil der einhei­mi­schen Fauna, wo sie je nach Spezies in Steppen, Savannen und Wäldern leben. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich nahezu ausschließ­lich von Termiten und Ameisen ernähren und an diese Lebens­weise hoch­gradig ange­passt sind. Und natür­lich tragen sie alle das namens­ge­bende Schup­pen­kleid, dass sie so auffällig unter den Säugern macht. 

Ihre Schuppen sind nicht etwa Über­bleibsel der repti­li­schen Vergan­gen­heit aller Säuge­tiere, sondern eine evolu­tio­näre Neuerschei­nung. Sie haben sich aus — sozu­sagen — zusam­men­ge­klebten Haaren entwi­ckelt und bilden zusammen mit der Fähig­keit der Pango­line, sich bei Bedro­hung eng zusam­men­zu­rollen, einen wirk­samen Schutz gegen Präda­toren (Fress­feinde). Selbst Groß­katzen finden keine rechte Möglich­keit eine solche Kugel aufzu­bre­chen, zumal sie sich an den scharfen Schup­pen­kanten verletzen können. 

Nachtaktives Säugetier - das Pangolin
Nacht­ak­tives Säuge­tier — das Pangolin

Parallel-Evolu­tion 

Pango­line haben auffal­lende Ähnlich­keiten mit den südame­ri­ka­ni­schen Amei­sen­bären und dem afri­ka­ni­schen Erdferkel. Erstere Tier­gruppen besitzen keine Zähne mehr (die Erdferkel nur noch rudi­mentär), aber dafür extrem lange, kleb­rige Zungen, mit denen sie engste Gänge errei­chen und ihre Insek­ten­nah­rung aufnehmen können. Alle tragen an den Vorder­füßen große, kräf­tige Krallen, mit denen sie auch harte Termi­ten­nester aufbre­chen. Bis in die 80er Jahre fasste man sie zu den soge­nannten Zahn­armen zusammen, bis sich durch mole­ku­lar­ge­ne­ti­sche Unter­su­chungen diese ange­nom­mene Verwandt­schaft als irrig erwies. Alle drei Gruppen gehören ganz verschie­denen Säuge­tier­ord­nungen an; ihre gemein­samen Merk­male haben sich jeweils unab­hängig entwi­ckelt. Ähnliche Lebens­be­din­gungen bringen bei Tieren und Pflanzen oft sehr ähnliche Anpas­sungen und Lebens­weisen hervor, auch wenn die jewei­ligen Spezies nicht weiter mitein­ander verwandt sind. Man nennt dies konver­gente oder auch Parallel-Evolution. 

Heim­liche Lebensweise 

Das 75 bis 120 cm große (wobei etwa die Hälfte auf den Schwanz entfällt) und bis zu 10 kg schwere Sunda-Pangolin gehört zu den vier asia­ti­schen Vertre­tern der Pango­line und bewohnt außer Borneo und den anderen Großen Sunda­in­seln auch noch die Malai­ische Halb­insel und benach­barte Fest­land­ge­biete. Sein eigent­li­ches Habitat sind primäre Regen­wälder, es kommt aber auch in Sekundär- und degra­dierten Wäldern, Gärten und sogar Plan­tagen vor. Viel­leicht mit bedingt durch seine nächt­liche Lebens­weise ist über sein Verhalten im Einzelnen jedoch nur sehr wenig bekannt. Den Tag verbringt es in vorge­fun­denen oder selbst gegra­benen Höhlen, während die Nacht der Suche nach Ameisen- und Termi­ten­bauten gewidmet ist. Dabei bewegt es sich nicht nur am Boden, sondern auch geschickt in den Bäumen, wobei ihm sein langer Greif­schwanz gute Dienste leistet. Sein hervor­ra­gender Geruchs­sinn ist bei der Nahrungs­suche das wich­tigste Sinnesorgan. 

Bedro­hung 

Im Jahr 2014 setzte die IUCN das Sunda-Pangolin auf die höchste Bedro­hungs­stufe, das heißt, es ist unmit­telbar vom Aussterben bedroht! Den übrigen sieben Pango­lin­arten geht es entweder nicht besser, oder sie sind zumin­dest eben­falls bedroht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: 

Da ist zum einen, wie so oft, der Verlust an Lebens­raum durch Wald­ver­nich­tung. Zwar lebt das Sunda-Pangolin auch in vom Menschen beein­flussten Habi­taten, aber um sich hinrei­chend fort­zu­pflanzen, braucht es dann doch ursprüng­li­chere Wald­ge­biete, die genü­gend Versteck- und Nahrungs­mög­lich­keiten bieten. Zum anderen aber ist das Sunda-Pangolin wie kaum ein anderes Tier durch fort­ge­setzte Wilderei bedroht. 

Die Schuppen bildeten sich aus verklebtem Haar
Die Schuppen bildeten sich aus verklebtem Haar

Ein ille­gales Wirtschaftsgut 

Seit dem Jahr 2000 ist durch das Washing­toner Arten­ab­kommen (CITES) der Handel mit lebenden Pango­linen sowie ihren Körper­teilen verboten. Dennoch sinkt seitdem der Bestand stetig und drama­tisch, so dass Sunda-Pango­line in weiten Teilen ihres eigent­li­chen Verbrei­tungs­ge­bietes ausge­rottet sind. Sie werden als Haus­tiere gehalten, als Deli­ka­tesse verzehrt und ihre Schuppen gelten in der soge­nannten tradi­tio­nellen chine­si­schen Medizin als Heil­mittel für alles Mögliche von Potenz­schwie­rig­keiten bis Geld­sorgen. Ein Kilo Schuppen soll auf dem Schwarz­markt mehrere tausend Dollar wert sein. Pango­lin­schuppen bestehen wie die eben­falls hoch gehan­delten Nashorn-Hörner aus Keratin. Ihr Konsum, in welcher Form auch immer, ist somit so wenig heil­kräftig wie das Kauen von Finger­nä­geln. Trotzdem floriert dieser ille­gale Handel global, und Pango­line werden bejagt wie heut­zu­tage wahr­schein­lich keine zweite Tierart. 

Corona und das Sunda-Pangolin 

Aller­dings hat das Angebot an Pango­lin­schuppen und ‑fleisch offenbar auch für den Menschen harte Konse­quenzen. Einschlä­gige Studien lassen es immer wahr­schein­li­cher werden, dass gerade das Sunda-Pangolin ein entschei­dender Zwischen­wirt für einen Virus war, das heute als SARS-CoV‑2 die Welt beschäf­tigt. Covid-19 ist eine Zoonose, eine ursprüng­lich durch Tiere auf Menschen über­tra­gene Krank­heit. Aufgrund mole­ku­lar­ge­ne­ti­scher Analysen geht man mitt­ler­weile davon aus, dass das Virus bezie­hungs­weise eine Vorform von ihm über Feder­mäuse auf Sunda-Pango­line über­tragen wurde und von dort aus auf Menschen über­ging. Die Pango­line mögen zum Beispiel bei der Nahrungs­suche unbe­ab­sich­tigt Fleder­mauskot aufge­nommen haben. Viel­leicht war es sogar nur ein einziges unse­liges Tier, das dann mit seinem unsicht­baren Gast lebend auf einem der wet markets, der Tier­märkte in der Stadt Wuhan landete. Den genauen Verlauf wird man vermut­lich nie rekon­stru­ieren können, aber dass die rück­sichts­lose Ausbeu­tung der Tier­welt die ganze Mensch­heit beein­träch­tigt, ist mitt­ler­weile hoffent­lich unstrittig. In Erwei­te­rung des bekannten BOS-Mottos kann man sagen: Nicht nur Orang-Utan‑, auch Pangolin-Schutz ist Menschenschutz.

Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Orang-Utans weiter unter Beobachtung

Orang-Utans weiter unter Beobachtung

Drei Wochen ist es mitt­ler­weile her, seit die BOS Foun­da­tion sämt­liche Einrich­tungen für die Öffent­lich­keit geschlossen hat. Nur die engsten und wirk­lich absolut notwen­digen Mitar­beiter dürfen noch in die Nähe unserer Orang-Utans kommen. Wie beispiels­weise unsere Post-Release-Monitoring-Teams.

Sie patrouil­lieren regel­mäßig in unseren Schutz­ge­bieten und erfüllen damit gleich zwei wich­tige Aufgaben: Sie behalten das Wohl­ergehen der rothaa­rigen Menschen­affen im Auge und stellen gleich­zeitig sicher, dass in diesen Krisen­zeiten keine Unbe­fugten das Gelände betreten. 

Unsere Auswil­de­rungs- und Schutz­ge­biete sind größ­ten­teils von den Bevöl­ke­rungs­zen­tren abge­schnitten, in denen sich COVID-19 derzeit ausbreitet. Dennoch haben wir die Stand­orte weiter isoliert, indem nur noch solche Akti­vi­täten statt­finden, die über­le­bens­wichtig sind, z.B. der Trans­port von Lebens­mit­teln, Vorräten und Gehäl­tern. Es finden also nur noch Fahrten ausge­wählter Mitar­beiter statt, wenn dies unbe­dingt erfor­der­lich ist.

Lager regelmäßig desinfizieren
Lager regel­mäßig desinfizieren

Für die Trans­porte versu­chen wir, wann immer möglich, auf private Fahr­zeuge zurück­zu­greifen, um den Kontakt mit der Öffent­lich­keit zu vermeiden. Ist dies nicht umsetzbar, werden die Mitar­beiter nach Errei­chen unserer Stand­orte für zwei Wochen unter Quaran­täne gestellt. Wir sind uns jedoch bewusst, dass diese Maßnahmen nicht ausfall­si­cher sind. Daher wird die Tempe­ratur der Mitar­beiter in den Lagern jeden Morgen über­prüft. Sie werden isoliert, wenn sie krank werden sollten. Außerdem werden die Lager regel­mäßig desin­fi­ziert und mindes­tens zehn Meter Abstand zu allen Orang-Utans gehalten.

Durch diese Vorsichts­maß­nahmen können unsere PRM-Teams ihre wich­tige Arbeit fort­setzen. Jeden Morgen verlassen die Team­mit­glieder früh­zeitig das Lager und wandern entlang der Gebiete, wo sie zuvor frei­ge­las­sene Orang-Utans antreffen können. Diese Akti­vität dauert bis zum späten Nach­mittag, wenn das Team wieder ins Camp zurück­kehren muss. Die Daten zu Orang-Utan-Akti­vi­täten und ‑Verhalten, die im Laufe des Tages gesam­melt wurden, werden dann während eines nächt­li­chen Meetings unter den Team­mit­glie­dern besprochen.

PRM-Teams sammeln Daten
PRM-Teams sammeln Daten

Das PRM-Team führt außerdem regel­mäßig phäno­lo­gi­sche Unter­su­chungen durch, um Daten zur im Wald gedei­henden Flora zu sammeln. Phäno­lo­gi­sche Daten zeigen die Stand­orte und saiso­nalen Frucht­zy­klen der Pflanzen an, von denen sich Orang-Utans ernähren. Mit diesem Wissen kann unser Team den besten Standort für zukünf­tige Auswil­de­rungen bestimmen, da neu frei­ge­las­sene Menschen­affen sofort Futter suchen müssen, um im Wald zu überleben.

Hygiene ist oberstes Gebot
Hygiene ist oberstes Gebot

Team­mit­glieder, die nicht an der Durch­füh­rung der beiden oben beschrie­benen Akti­vi­täten betei­ligt sind, haben in der Regel die Aufgabe, über­wach­sene Gebiete in Stand zu halten, Nieder­schlags- und Feuch­tig­keits­ni­veaus zu über­prüfen, Biodi­ver­si­täts­er­he­bungen durch­zu­führen oder den Frei­set­zungs­be­reich zu über­wa­chen. Obwohl wir weit entfernt vom nächsten Dorf und von mensch­li­chen Sied­lungen arbeiten, setzen wir uns dafür ein, dass der Wald frei von mensch­li­chen Eingriffen bleibt.

Camp regelmäßig reinigen
Camp regel­mäßig reinigen

Die ganze BOS Foun­da­tion dankt Ihnen, dass Sie in dieser schweren Zeit um soziale Distanz bemüht sind. Aber bitte denken Sie auch weiterhin an unsere außer­ge­wöhn­li­chen, vom Aussterben bedrohten Tiere. Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Wie sich der Arten­er­halt im Regen­wald und Palmöl-Plan­tagen vereinen lassen

Wie sich der Arten­er­halt im Regen­wald und Palmöl-Plan­tagen vereinen lassen

Laut eines neuen Reports müssen stren­gere Maßnahmen getroffen werden, damit Primär-Regen­wälder / quali­tativ hoch­wer­tige Wälder intakt bleiben können.
 

- Damit keine weitere Arten­iso­la­tion statt­findet, ist es essen­ziell, bestimmte Regen­wald­ge­biete verbunden zu halten und bedrohten Arten Über­le­bens­chancen zu bieten.

- Um das Problem zu lösen, müsste nach Meinung der Forscher auch die milli­ar­den­schwere Palm­öl­in­dus­trie invol­viert werden, gerade in den palm­öl­ex­por­tie­renden und regen­wald­rei­chen Ländern wie Indonesien.

Forscher in Groß­bri­tan­nien verlangen nach härteren wirt­schaft­lich-poli­ti­schen Maßnahmen, um das Über­leben bestimmter Wälder mit einer hohen Biodi­ver­sität zu sichern. Vor allem, wenn in diesen Palm­öl­plan­tagen liegen.

Die Bedeu­tung der Waldkorridore

Die Lösung sei, eine geogra­fi­sche Verbun­den­heit der Wälder zu erhalten und somit keine evolu­tio­näre Isola­tion zu fördern, was bereits bedrohte Arten noch ernst­hafter gefährden würde.

Die Befunde der Forscher wurden in einer Studie der Univer­sity of York in Groß­bri­tan­nien vom August 2019 zusam­men­ge­fasst und im Journal of Applied Ecology veröffentlicht.
Nach­hal­ti­gere Wege für die Indus­trie wären demnach möglich, wenn die Konzerne die geogra­fi­schen Berüh­rungs­punkte wert­voller Wald­ge­biete nicht zerstören würden.

Die Palm­öl­in­dus­trie konnte beson­ders durch ihre Arbeit in Ländern wie Malaysia und Indo­ne­sien zu einer milli­ar­den­schweren Branche heranwachsen.
Das wirt­schaft­liche Wachstum führt aller­dings gleich­zeitig auch zu kata­stro­phalen Folgen für den Regen­wald und seine Arten­viel­falt und somit letzt­end­lich zum Kollaps des ohnehin verwund­baren Ökosystems.
Daher fordern vor allem Akti­visten den Boykott bzw. das Verbot indo­ne­si­schen Palmöls.

Durch Luft­auf­nahmen und die Kartie­rung des indo­ne­si­schen Regen­waldes konnte sehr gut erkannt werden, dass bestimmte Regen­wald­stücke nicht verbunden sind, was im Endef­fekt logi­scher­weise zu einer Arten­iso­la­tion führt.

Orang-Utans und andere Tiere verlieren ihren Lebensraum
Orang-Utans und andere Tiere verlieren ihren Lebensraum

Mangel­hafter Stan­dard seitens RSPO

Die Orga­ni­sa­tion „Round­table on Sustainable Palm Oil“, kurz: RSPO, setzt sich beson­ders dafür ein, dass der inter­na­tio­nale Palm­öl­handel an Nach­hal­tig­keit gewinnt.
Aller­dings ist die Gestal­tung der Wald­kor­ri­dore und ihre Erhal­tung ein sehr wich­tiger Punkt im Aspekt der Ökologie.
So hat RSPO auch die Aufgabe, das Krite­rium zur Verbun­den­heit der Wald­flä­chen in seine Stan­dards aufzunehmen.

Laut einer weiteren Studie der Univer­sity of York sind diverse Arten heut­zu­tage durch die anstei­gende Abhol­zung des Regen­waldes und somit durch ihren schrump­fenden Lebens­raum sowie den fehlenden Erhalt der natur­be­las­senen Lebens­räume beson­ders bedroht.
Dass diese Arten die Korri­dore zwischen den Regen­wald­arealen brau­chen, um aus eigener Initia­tive umziehen zu können und um alter­na­tive Lebens­räume zu finden, liegt mitt­ler­weile klar auf der Hand.

Sarah Scriven ist eine der Co-Autorinnen der Studie, und auch sie betont, dass die Palmöl-Plan­tagen so auszu­richten wären, dass sie nicht die freie Bewe­gung der in den Regen­wäl­dern lebenden Tieren blockieren.
Denn wenn solche „Regen­wald-Inseln“ geschaffen werden, isoliere das auto­ma­tisch viele Arten, was zu einem einsei­tigem Vermi­schen des Genpools und somit zum letzt­end­li­chen Aussterben bestimmter Arten führe.

Weiterhin hofft Scriven, dass die Verschär­fung der RSPO-Krite­rien vom November 2018 eine Richt­line für die Schaf­fung von Korri­doren und der besseren Verbun­den­heit des Waldes bieten wird.

Sehr wichtig wäre laut Scriven aller­dings der Dialog mit den Konzernen und beson­ders mit der RSPO, um die Ideen und Lösungs­an­sätze umzusetzen.
Denn schluss­end­lich ist das Ökosystem auf den Arten­er­halt ange­wiesen, und beson­ders Regen­wald­be­wohner in unmit­tel­barer Nähe von Palm­öl­plan­tagen wie Orang-Utans, Vögel, Insekten und Fleder­mäuse haben schon längst einen kriti­schen Bestand erreicht.

Monotone Ölpalmenplantage wird zur Wildtieroase
Mono­tone Ölpal­men­plan­tage wird zur Wildtieroase

Ein Pilot­pro­jekt in Malaysia vom Rhino und Forest Fund könnte schon eine erste Erfolgs­ge­schichte bieten. Wissen­schaftler aus dem Leib­nitz-IZW wollen gemeinsam mit Borneos Forst­be­hörden in der Provinz von Sabah Ölpal­men­plan­tagen in Regen­wald umwan­deln. Aus 33,5 Hektar Mono­kultur soll dort zeitnah ein leben­diger Regen­wald entstehen. Dadurch sollen das Tabin-Wild­tier­re­servat mit etwa 123 000 Hektar Fläche und das Kulamba-Wild­tier­re­servat, der Teil eines anderen, knapp 80 000 Hektar großen Natur­schutz­ge­biets, verbunden werden. 

 

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