Haus­ge­machte Plagen — ein Kommentar von BOS-Geschäfts­führer Daniel Merdes

Haus­ge­machte Plagen — ein Kommentar von BOS-Geschäfts­führer Daniel Merdes

April 2020. Wer erin­nert sich noch an die verhee­renden Busch­brände in Austra­lien? Nur wenige Monate sind seitdem vergangen, und schon sind sie durch die nächste Krise fast in Verges­sen­heit geraten. 

Das Corona-Virus domi­niert alle Kanäle, ob medial oder in unseren Köpfen. Wir dürfen aber auf keinen Fall vergessen, dass beide Krisen die Symptome einer Krank­heit sind: des rasanten Zusam­men­bre­chens der welt­weiten Ökosys­teme, das solche Krisen in immer schnel­lerer Abfolge zum Ergebnis hat.

Natür­lich muss in einer Krise schnell und dras­tisch reagiert werden. Alle Mann an Deck. Bzw. wie bei uns ins Home­of­fice. Wir dürfen aber dabei nicht die wesent­lich größere Aufgabe vergessen: die lang­fris­tige Wieder­her­stel­lung der Balance zwischen Menschen und Planeten. 

Das Corona Virus ist eine schreck­liche Kata­strophe für die Mensch­heit. Unbe­stritten. Aber sie ist nicht die erste auf der Liste zoono­ti­scher Krank­heiten (von Tieren auf Menschen über­trag­bare Krankheiten).

Pande­mien als Folge von Habitatsverlust

Die lange Liste von Zoonosen zeigt in den meisten Fällen das gleiche Muster: den voran­ge­gan­genen Konsum von Wild­tieren (entweder in Form von Fleisch oder soge­nannter tradi­tio­neller chine­si­scher oder asia­ti­scher Medizin). Meist an den zerfransten Über­gängen der letzten noch erhal­tenen Regen­wälder dieser ächzenden Erde. Aber zuneh­mend auch – aufgrund von stei­gender Nach­frage bei sinkendem Angebot – aus der Tiefe von bis dato fast unbe­rührten Primärwäldern. 

Der Verlust von natür­li­chen Habi­taten und Biodi­ver­sität und die gleich­zei­tige Zunahme von Tier-Mensch-Kontakten ist das perfekte Rezept für ein Desaster, welches uns jetzt schon wie eine der Plagen aus dem alten Testa­ment vorkommt. Gleich­zeitig warnt die Wissen­schaft seit Jahren und prophe­zeit noch Schlim­meres. In einem aktu­ellen Artikel von John Vidal wird davon ausge­gangen, dass bei weiterem Zurück­drängen von Habi­taten und Biodi­ver­sität zoono­ti­sche Krank­heiten wie Corona weiter zunehmen werden. 

Die aufkom­menden Epide­mien erin­nern mich bild­lich an Stürme oder Brände. Beides gab es schon, bevor der Mensch anfing sich in die letzten Winkel der Erde zu verbreiten. Durch die menschen­ver­ur­sachte Klima­ka­ta­strophe nehmen diese zerstö­re­ri­schen Ereig­nisse aber zu. Regio­na­li­siert auf die deut­schen „Rekord­sommer“ fällt ja immer das Argu­ment, dass es in früheren Jahren mal einen noch heißeren Sommer gab. Das mag stimmen, aber nicht mehrere Sommer in Folge mit entspre­chend heißen Temperaturen. 

In einem ähnli­chen Zusam­men­hang ist die Zunahme von Krank­heiten durch die Zerstö­rung von Ökosys­temen zu betrachten. Durch unser maßloses Eingreifen in intakte Ökosys­teme schaffen wir das Ausbreiten meist vermeid­barer Epidemien. 

Kata­stro­phen wie Brände oder Epide­mien passieren. Ihnen gehört wie im derzei­tigen Kata­stro­phen­fall die volle Aufmerk­sam­keit. Aber um sie lang­fristig zu verrin­gern, führt kein Weg an einer wirk­li­chen Ursa­chen­be­kämp­fung vorbei. 

Globale Probleme brau­chen lokale Lösungen

Aber wie? Globale Probleme zu bekämpfen, beginnt immer mit lokalen Lösungen (und nicht inter­na­tio­nalen Klima­kon­fe­renzen). Was muss sich dring­lich bei uns verän­dern? Antworten können nur system­im­ma­nent gefunden werden. 

Wir erleben täglich (Wirt­schafts-) Geschichte: Erst­malig gibt es in Deutsch­land eine epide­mio­lo­gi­sche Begrün­dung dafür, massen­haft Geld ins System zu pumpen, um den krisen­ge­beu­telten globalen Kapi­ta­lismus zu stabi­li­sieren. Eigent­lich die perfekte Zeit für einen soge­nannten „Green New Deal“: den Umbau unseres wachs­tums­ba­sierten Wirt­schafts­sys­tems auf vorrangig nach­hal­tige Ziele und den Fokus auf Erhalt der lebens­er­hal­tenden Ökosys­teme dieser Erde. 

Dabei waren die abstrakten und akade­mi­sche Debatten der letzten Jahre um eine sozial-ökolo­gi­sche Trans­for­ma­tion nicht hilf­reich bzw. haben ihrem Dunst­kreis nicht entkommen können. Nicht erst im Nach­hinein erstaun­lich ob dieser fahr­läs­sigen Blind­heit unserer Politik- und Wirtschaftseliten. 

Doch wir müssen die Zeichen der Zeit richtig deuten. Lässt sich das, was aktuell wirt­schaft­lich ins Rutschen kommt, mit einem grünen Inves­ti­ti­ons­paket aufhalten? Der Kapi­ta­lismus basiert auf der perma­nenten Erzeu­gung von Einkom­mens­strömen. Arbeit­nehmer brau­chen fort­lau­fendes Arbeits­ein­kommen, um ihren Lebens­un­ter­halt zu bestreiten. Unter­nehmen brau­chen einen perma­nenten Profit­strom, um am Markt bestehen zu bleiben, Anleihen zu verkaufen und ihre Kredite zu bedienen. Da diese Einkom­mens­ströme nun versiegen, tritt zu Tage, was sich über die vergan­genen Jahr­zehnte aufge­baut hat: ein massiver Schul­den­berg, der das Wachstum in der neoli­be­ralen Epoche künst­lich am Laufen gehalten hat. Die Null­zins­po­litik und gewal­tigen Anlei­hen­käufe der Zentral­banken haben diesem System nach der Finanz­krise 2007/2008 weitere Zeit gekauft. Die bisher verab­schie­deten Inves­ti­ti­ons­pa­kete werden nicht ausrei­chen, um den nun zu Tage tretenden ökono­mi­schen Schaden zu begrenzen. Und der ökono­mi­sche Lock-Down wird nicht nur Monate anhalten – er wird in Zyklen wieder­kehren, bis ein Impf­stoff verfügbar ist.

Green New Deal als Lösung?

Ein Green New Deal scheint hier zu kurz zu greifen, er erreicht nicht die Beschäf­ti­gungs- und Refi­nan­zie­rungs­ef­fekte, die dem histo­ri­schen New Deal seine traum­haften Wachs­tums­raten beschert hat. Die Wachs­tums­res­sourcen des globalen Kapi­ta­lismus – auch im wört­li­chen Sinne seiner mate­ri­ellen Ressourcen – sind nach­haltig erschöpft. Dazu kommen exis­ten­ti­elle Bedro­hungen wie die Klima­ka­ta­strophe sowie globale Pande­mien, die eine nach­hal­tige, plan­volle Form des Wirt­schaf­tens erfordern.

Die Debatte um notwen­dige und vernach­läs­sig­bare Produk­tion, die Umstel­lung der Produk­tion etwa von Auto­zu­lie­fe­rern auf Medi­zin­pro­dukte und die staat­liche Stüt­zung der Unter­nehmen bieten hier Ansatz­punkte. Neben den nahe­lie­genden sozi­al­po­li­ti­schen Forde­rungen müssen in den kommenden Monaten Ansätze eines neuen wirt­schafts­po­li­ti­schen Para­digmas disku­tierbar gemacht werden, das in der Lage wäre, eine ökono­mi­sche Alter­na­tive zu bilden. Dieses alter­na­tive Para­digma sollten neben massiver sozialer Umver­tei­lung und dem ökolo­gi­schem Umbau der Wirt­schaft auch Elemente der Verge­sell­schaf­tung und der demo­kra­ti­schen, digital unter­stützen Wirt­schafts­pla­nung

Nicht zuletzt darf die heiße Kartoffel „Bevöl­ke­rungs­wachstum“ nicht den Popu­listen und Rechten über­lassen werden. Statt­dessen muss dieser schmerz­liche Diskurs in die Mitte einer globalen Lösungs­fin­dung und weit entfernt von Stamm­ti­schen alternder Gesell­schaften stattfinden. 

Eine tief­grei­fende Trans­for­ma­tion wird statt­finden. Ein „weiter so“ ist keine Option. In welche Rich­tung sie verläuft – eine sozial-ökolo­gi­sche oder eine auto­ri­täre — ist davon abhängig, wie nun die Weichen gestellt werden. 

 

Daniel Merdes, 16.04.2020

Die besten Frei­zeit­tipps: Bücher über Orang-Utans

Die besten Frei­zeit­tipps: Bücher über Orang-Utans

Die derzei­tige Corona-Krise zwingt die meisten Menschen dazu, konse­quent zu Hause zu bleiben. Neben Home-Office, Home-Schoo­ling und anderen Pflichten, die erle­digt werden wollen, bleibt da so manche freie Stunde, die sinn­voll genutzt werden kann.

Wie wäre es damit, gemeinsam Filme über Orang-Utans zu schauen, Bücher mit Geschichten aus dem fernen Asien zu lesen oder auch mal einem Hörspiel mit Geräu­schen aus dem Regen­wald zu lauschen? Das bringt der ganzen Familie Spaß, und alle können etwas dabei lernen. Wir wollen an dieser Stelle in loser Reihen­folge Tipps für eine abwechs­lungs­reiche Frei­zeit während und auch nach der Krise geben. 

Übri­gens, wer in den Online-Shops, die wir an manchen Stellen als Einkaufs­hilfe angeben, bestellt, kann damit sogar noch unsere Arbeit für die Orang-Utans unter­stützen. Ein Teil des Verkaufs­er­löses wird dann nämlich direkt an BOS weiter­ge­leitet. Und es kostet keinen Cent mehr! Wie es funk­tio­niert, erklären wir HIER.

Bücher über Orang-Utans

Unsere rothaa­rigen Artver­wandten haben schon immer die Phan­tasie vieler Schrift­steller ange­regt. Und manche durften den Menschen­affen sogar selbst schon gegen­über­stehen. Um sie alle und die einzig­ar­tigen Begeg­nungen geht es in unseren Buchtipps.

 

Kleiner Dodo — Was spielst du?

Dodo, der kleine Orang-Utan, entdeckt mitten im Urwald ein sonder­bares Ding. Schnell findet er heraus, wie er diesem Ding die tollsten Töne entlo­cken kann. Doch dann fällt sein Spiel­zeug in den Fluss — und mit dem Musi­zieren ist es vorerst vorbei. Zum Glück findet Dodo in Onkel Darwins Höhle einen Ersatz und noch viele weitere Instru­mente für seine Freunde. Jetzt wird es laut im Urwald.

(u.a. bei buecher.de)

 

Der Malay­ische Archipel — Die Heimat von Orang-Utan und Paradiesvogel

Seit jeher steht der Autor Alfred Russel Wallace zu Unrecht im Schatten Charles Darwins und dessen Evolu­ti­ons­theorie. Denn bereits 1858, ein Jahr vor Erscheinen „Über die Entste­hung der Arten“ Darwins, fertigt Wallace sein Ternate-Manu­skript zu den Mecha­nismen der Evolu­tion an – die Ähnlich­keiten zu Darwins Über­le­gungen sind verblüf­fend. Dem Natur­for­scher ist darüber hinaus eine beein­dru­ckende Sammel­tä­tig­keit diverser Tier- und Pflan­zen­arten zuzu­schreiben, die er während seiner Reisen zum Amazonas (1848–1852) und in den Malay­ischen Archipel (1854–1862) pflegt. Eines der bedeu­tendsten Bücher über die indo­ne­si­schen Inseln.

(u.a. bei thalia.de)

 

Das Dschun­gel­buch 1&2

Bisher kannten wir nur das halbe Dschun­gel­buch … Mogli, Balu und Baghira, die kennen wir. Aber was ist mit Rikki-Tikki-Tavi, dem nimmer­satt neugie­rigen Mungo, der gerettet wird, um schließ­lich selbst zum Retter zu werden? Was mit Vixen, dem Hund, der ein ganzes Mili­tär­lager um den Schlaf bringt? Und was ist mit dem unglaub­li­chen Sumpf­kro­kodil, das noch das letzte Weiß­ge­sicht aus dem Dschungel vertreibt? Alle lieben wir das Dschun­gel­buch, aber bislang konnten nur wenige die ganze beein­dru­ckende Welt Kiplings entde­cken. Aber Vorsicht: Diese Wildnis ist kein Kinder­pa­ra­dies! Und zuge­geben, hier geht es nur in Teilen um Orang-Utans, dennoch: Für Regen­wald-Freunde ist dieser Klas­siker ein Muss!

(u.a. bei hugendubel.de)

 

Jacky — Ein Orang-Utan sucht den Dschungel

Das kleine Orang-Utan-Kind Jacky muss viel lernen… Alles was es für ein freies und selbst­be­stimmtes Leben im Dschungel braucht. Doch seine Lehrer sind nicht andere Menschen­affen, sondern Menschen. Die wahre Geschichte des kleinen Orang-Utan Kindes Jacky, das wegen Brand­ro­dungen auf Borneo seine Eltern und seinen Lebens­raum verliert, aber nicht den Mut. Jacky wird von Menschen aufge­zogen und kann als “Jugend­liche” in den Dschungel zurück­kehren… Kunst­buch mit wunder­schönen Malereien.

(u.a. bei ebay.de)

 

Henry rettet den Regenwald

Eine Bewe­gung muss in Gang kommen …Henry, ein kleiner Orang-Utan, lebt glück­lich und zufrieden mit seiner Mutter in den Regen­wäl­dern der Insel Borneo. Doch schnell muss er lernen, dass seine Heimat und seine Artge­nossen durch die Abhol­zung und Brand­ro­dung der Menschen bedroht sind. Um Verbün­dete zu finden und seinen Lebens­raum zu schützen, macht sich Henry auf die weite Reise rund um den Globus. Aber ob diese ihm helfen kann, seinen geliebten Regen­wald zu retten?

(u.a. bei amazon.de)

 

Wer durch unsere Frei­zeit­tipps auf den Geschmack gekommen ist, kein Problem. Jeder kann Orang-Utan-Unter­stützer werden! Mit einer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regen­wald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.

 

Tiere aus Kali­mantan: Das Sunda-Pangolin

Tiere aus Kali­mantan: Das Sunda-Pangolin

Kali­mantan ist der indo­ne­si­sche Name für die Insel Borneo, der dritt­größten der Welt nach Grön­land und Neuguinea. Kali­mantan ist auch die Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich mit unzäh­ligen anderen Tier­arten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaa­rigen Vettern. Wir stellen hier in loser Reihen­folge immer wieder einige dieser faszi­nie­renden Geschöpfe vor. 

Das Sunda-Pangolin (Manis java­nica

Pango­line oder Schup­pen­tiere erin­nern irgendwie an wandelnde Tannen­zapfen und gehören vom äußeren Erschei­nungs­bild her wohl zu den selt­samsten Säuge­tieren. In acht Arten bilden sie in Afrika und Asien einen Bestand­teil der einhei­mi­schen Fauna, wo sie je nach Spezies in Steppen, Savannen und Wäldern leben. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich nahezu ausschließ­lich von Termiten und Ameisen ernähren und an diese Lebens­weise hoch­gradig ange­passt sind. Und natür­lich tragen sie alle das namens­ge­bende Schup­pen­kleid, dass sie so auffällig unter den Säugern macht. 

Ihre Schuppen sind nicht etwa Über­bleibsel der repti­li­schen Vergan­gen­heit aller Säuge­tiere, sondern eine evolu­tio­näre Neuerschei­nung. Sie haben sich aus — sozu­sagen — zusam­men­ge­klebten Haaren entwi­ckelt und bilden zusammen mit der Fähig­keit der Pango­line, sich bei Bedro­hung eng zusam­men­zu­rollen, einen wirk­samen Schutz gegen Präda­toren (Fress­feinde). Selbst Groß­katzen finden keine rechte Möglich­keit eine solche Kugel aufzu­bre­chen, zumal sie sich an den scharfen Schup­pen­kanten verletzen können. 

Nachtaktives Säugetier - das Pangolin
Nacht­ak­tives Säuge­tier — das Pangolin

Parallel-Evolu­tion 

Pango­line haben auffal­lende Ähnlich­keiten mit den südame­ri­ka­ni­schen Amei­sen­bären und dem afri­ka­ni­schen Erdferkel. Erstere Tier­gruppen besitzen keine Zähne mehr (die Erdferkel nur noch rudi­mentär), aber dafür extrem lange, kleb­rige Zungen, mit denen sie engste Gänge errei­chen und ihre Insek­ten­nah­rung aufnehmen können. Alle tragen an den Vorder­füßen große, kräf­tige Krallen, mit denen sie auch harte Termi­ten­nester aufbre­chen. Bis in die 80er Jahre fasste man sie zu den soge­nannten Zahn­armen zusammen, bis sich durch mole­ku­lar­ge­ne­ti­sche Unter­su­chungen diese ange­nom­mene Verwandt­schaft als irrig erwies. Alle drei Gruppen gehören ganz verschie­denen Säuge­tier­ord­nungen an; ihre gemein­samen Merk­male haben sich jeweils unab­hängig entwi­ckelt. Ähnliche Lebens­be­din­gungen bringen bei Tieren und Pflanzen oft sehr ähnliche Anpas­sungen und Lebens­weisen hervor, auch wenn die jewei­ligen Spezies nicht weiter mitein­ander verwandt sind. Man nennt dies konver­gente oder auch Parallel-Evolution. 

Heim­liche Lebensweise 

Das 75 bis 120 cm große (wobei etwa die Hälfte auf den Schwanz entfällt) und bis zu 10 kg schwere Sunda-Pangolin gehört zu den vier asia­ti­schen Vertre­tern der Pango­line und bewohnt außer Borneo und den anderen Großen Sunda­in­seln auch noch die Malai­ische Halb­insel und benach­barte Fest­land­ge­biete. Sein eigent­li­ches Habitat sind primäre Regen­wälder, es kommt aber auch in Sekundär- und degra­dierten Wäldern, Gärten und sogar Plan­tagen vor. Viel­leicht mit bedingt durch seine nächt­liche Lebens­weise ist über sein Verhalten im Einzelnen jedoch nur sehr wenig bekannt. Den Tag verbringt es in vorge­fun­denen oder selbst gegra­benen Höhlen, während die Nacht der Suche nach Ameisen- und Termi­ten­bauten gewidmet ist. Dabei bewegt es sich nicht nur am Boden, sondern auch geschickt in den Bäumen, wobei ihm sein langer Greif­schwanz gute Dienste leistet. Sein hervor­ra­gender Geruchs­sinn ist bei der Nahrungs­suche das wich­tigste Sinnesorgan. 

Bedro­hung 

Im Jahr 2014 setzte die IUCN das Sunda-Pangolin auf die höchste Bedro­hungs­stufe, das heißt, es ist unmit­telbar vom Aussterben bedroht! Den übrigen sieben Pango­lin­arten geht es entweder nicht besser, oder sie sind zumin­dest eben­falls bedroht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: 

Da ist zum einen, wie so oft, der Verlust an Lebens­raum durch Wald­ver­nich­tung. Zwar lebt das Sunda-Pangolin auch in vom Menschen beein­flussten Habi­taten, aber um sich hinrei­chend fort­zu­pflanzen, braucht es dann doch ursprüng­li­chere Wald­ge­biete, die genü­gend Versteck- und Nahrungs­mög­lich­keiten bieten. Zum anderen aber ist das Sunda-Pangolin wie kaum ein anderes Tier durch fort­ge­setzte Wilderei bedroht. 

Die Schuppen bildeten sich aus verklebtem Haar
Die Schuppen bildeten sich aus verklebtem Haar

Ein ille­gales Wirtschaftsgut 

Seit dem Jahr 2000 ist durch das Washing­toner Arten­ab­kommen (CITES) der Handel mit lebenden Pango­linen sowie ihren Körper­teilen verboten. Dennoch sinkt seitdem der Bestand stetig und drama­tisch, so dass Sunda-Pango­line in weiten Teilen ihres eigent­li­chen Verbrei­tungs­ge­bietes ausge­rottet sind. Sie werden als Haus­tiere gehalten, als Deli­ka­tesse verzehrt und ihre Schuppen gelten in der soge­nannten tradi­tio­nellen chine­si­schen Medizin als Heil­mittel für alles Mögliche von Potenz­schwie­rig­keiten bis Geld­sorgen. Ein Kilo Schuppen soll auf dem Schwarz­markt mehrere tausend Dollar wert sein. Pango­lin­schuppen bestehen wie die eben­falls hoch gehan­delten Nashorn-Hörner aus Keratin. Ihr Konsum, in welcher Form auch immer, ist somit so wenig heil­kräftig wie das Kauen von Finger­nä­geln. Trotzdem floriert dieser ille­gale Handel global, und Pango­line werden bejagt wie heut­zu­tage wahr­schein­lich keine zweite Tierart. 

Corona und das Sunda-Pangolin 

Aller­dings hat das Angebot an Pango­lin­schuppen und ‑fleisch offenbar auch für den Menschen harte Konse­quenzen. Einschlä­gige Studien lassen es immer wahr­schein­li­cher werden, dass gerade das Sunda-Pangolin ein entschei­dender Zwischen­wirt für einen Virus war, das heute als SARS-CoV‑2 die Welt beschäf­tigt. Covid-19 ist eine Zoonose, eine ursprüng­lich durch Tiere auf Menschen über­tra­gene Krank­heit. Aufgrund mole­ku­lar­ge­ne­ti­scher Analysen geht man mitt­ler­weile davon aus, dass das Virus bezie­hungs­weise eine Vorform von ihm über Feder­mäuse auf Sunda-Pango­line über­tragen wurde und von dort aus auf Menschen über­ging. Die Pango­line mögen zum Beispiel bei der Nahrungs­suche unbe­ab­sich­tigt Fleder­mauskot aufge­nommen haben. Viel­leicht war es sogar nur ein einziges unse­liges Tier, das dann mit seinem unsicht­baren Gast lebend auf einem der wet markets, der Tier­märkte in der Stadt Wuhan landete. Den genauen Verlauf wird man vermut­lich nie rekon­stru­ieren können, aber dass die rück­sichts­lose Ausbeu­tung der Tier­welt die ganze Mensch­heit beein­träch­tigt, ist mitt­ler­weile hoffent­lich unstrittig. In Erwei­te­rung des bekannten BOS-Mottos kann man sagen: Nicht nur Orang-Utan‑, auch Pangolin-Schutz ist Menschenschutz.

Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Orang-Utans weiter unter Beobachtung

Orang-Utans weiter unter Beobachtung

Drei Wochen ist es mitt­ler­weile her, seit die BOS Foun­da­tion sämt­liche Einrich­tungen für die Öffent­lich­keit geschlossen hat. Nur die engsten und wirk­lich absolut notwen­digen Mitar­beiter dürfen noch in die Nähe unserer Orang-Utans kommen. Wie beispiels­weise unsere Post-Release-Monitoring-Teams.

Sie patrouil­lieren regel­mäßig in unseren Schutz­ge­bieten und erfüllen damit gleich zwei wich­tige Aufgaben: Sie behalten das Wohl­ergehen der rothaa­rigen Menschen­affen im Auge und stellen gleich­zeitig sicher, dass in diesen Krisen­zeiten keine Unbe­fugten das Gelände betreten. 

Unsere Auswil­de­rungs- und Schutz­ge­biete sind größ­ten­teils von den Bevöl­ke­rungs­zen­tren abge­schnitten, in denen sich COVID-19 derzeit ausbreitet. Dennoch haben wir die Stand­orte weiter isoliert, indem nur noch solche Akti­vi­täten statt­finden, die über­le­bens­wichtig sind, z.B. der Trans­port von Lebens­mit­teln, Vorräten und Gehäl­tern. Es finden also nur noch Fahrten ausge­wählter Mitar­beiter statt, wenn dies unbe­dingt erfor­der­lich ist.

Lager regelmäßig desinfizieren
Lager regel­mäßig desinfizieren

Für die Trans­porte versu­chen wir, wann immer möglich, auf private Fahr­zeuge zurück­zu­greifen, um den Kontakt mit der Öffent­lich­keit zu vermeiden. Ist dies nicht umsetzbar, werden die Mitar­beiter nach Errei­chen unserer Stand­orte für zwei Wochen unter Quaran­täne gestellt. Wir sind uns jedoch bewusst, dass diese Maßnahmen nicht ausfall­si­cher sind. Daher wird die Tempe­ratur der Mitar­beiter in den Lagern jeden Morgen über­prüft. Sie werden isoliert, wenn sie krank werden sollten. Außerdem werden die Lager regel­mäßig desin­fi­ziert und mindes­tens zehn Meter Abstand zu allen Orang-Utans gehalten.

Durch diese Vorsichts­maß­nahmen können unsere PRM-Teams ihre wich­tige Arbeit fort­setzen. Jeden Morgen verlassen die Team­mit­glieder früh­zeitig das Lager und wandern entlang der Gebiete, wo sie zuvor frei­ge­las­sene Orang-Utans antreffen können. Diese Akti­vität dauert bis zum späten Nach­mittag, wenn das Team wieder ins Camp zurück­kehren muss. Die Daten zu Orang-Utan-Akti­vi­täten und ‑Verhalten, die im Laufe des Tages gesam­melt wurden, werden dann während eines nächt­li­chen Meetings unter den Team­mit­glie­dern besprochen.

PRM-Teams sammeln Daten
PRM-Teams sammeln Daten

Das PRM-Team führt außerdem regel­mäßig phäno­lo­gi­sche Unter­su­chungen durch, um Daten zur im Wald gedei­henden Flora zu sammeln. Phäno­lo­gi­sche Daten zeigen die Stand­orte und saiso­nalen Frucht­zy­klen der Pflanzen an, von denen sich Orang-Utans ernähren. Mit diesem Wissen kann unser Team den besten Standort für zukünf­tige Auswil­de­rungen bestimmen, da neu frei­ge­las­sene Menschen­affen sofort Futter suchen müssen, um im Wald zu überleben.

Hygiene ist oberstes Gebot
Hygiene ist oberstes Gebot

Team­mit­glieder, die nicht an der Durch­füh­rung der beiden oben beschrie­benen Akti­vi­täten betei­ligt sind, haben in der Regel die Aufgabe, über­wach­sene Gebiete in Stand zu halten, Nieder­schlags- und Feuch­tig­keits­ni­veaus zu über­prüfen, Biodi­ver­si­täts­er­he­bungen durch­zu­führen oder den Frei­set­zungs­be­reich zu über­wa­chen. Obwohl wir weit entfernt vom nächsten Dorf und von mensch­li­chen Sied­lungen arbeiten, setzen wir uns dafür ein, dass der Wald frei von mensch­li­chen Eingriffen bleibt.

Camp regelmäßig reinigen
Camp regel­mäßig reinigen

Die ganze BOS Foun­da­tion dankt Ihnen, dass Sie in dieser schweren Zeit um soziale Distanz bemüht sind. Aber bitte denken Sie auch weiterhin an unsere außer­ge­wöhn­li­chen, vom Aussterben bedrohten Tiere. Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Wie sich der Arten­er­halt im Regen­wald und Palmöl-Plan­tagen vereinen lassen

Wie sich der Arten­er­halt im Regen­wald und Palmöl-Plan­tagen vereinen lassen

Laut eines neuen Reports müssen stren­gere Maßnahmen getroffen werden, damit Primär-Regen­wälder / quali­tativ hoch­wer­tige Wälder intakt bleiben können.
 

- Damit keine weitere Arten­iso­la­tion statt­findet, ist es essen­ziell, bestimmte Regen­wald­ge­biete verbunden zu halten und bedrohten Arten Über­le­bens­chancen zu bieten.

- Um das Problem zu lösen, müsste nach Meinung der Forscher auch die milli­ar­den­schwere Palm­öl­in­dus­trie invol­viert werden, gerade in den palm­öl­ex­por­tie­renden und regen­wald­rei­chen Ländern wie Indonesien.

Forscher in Groß­bri­tan­nien verlangen nach härteren wirt­schaft­lich-poli­ti­schen Maßnahmen, um das Über­leben bestimmter Wälder mit einer hohen Biodi­ver­sität zu sichern. Vor allem, wenn in diesen Palm­öl­plan­tagen liegen.

Die Bedeu­tung der Waldkorridore

Die Lösung sei, eine geogra­fi­sche Verbun­den­heit der Wälder zu erhalten und somit keine evolu­tio­näre Isola­tion zu fördern, was bereits bedrohte Arten noch ernst­hafter gefährden würde.

Die Befunde der Forscher wurden in einer Studie der Univer­sity of York in Groß­bri­tan­nien vom August 2019 zusam­men­ge­fasst und im Journal of Applied Ecology veröffentlicht.
Nach­hal­ti­gere Wege für die Indus­trie wären demnach möglich, wenn die Konzerne die geogra­fi­schen Berüh­rungs­punkte wert­voller Wald­ge­biete nicht zerstören würden.

Die Palm­öl­in­dus­trie konnte beson­ders durch ihre Arbeit in Ländern wie Malaysia und Indo­ne­sien zu einer milli­ar­den­schweren Branche heranwachsen.
Das wirt­schaft­liche Wachstum führt aller­dings gleich­zeitig auch zu kata­stro­phalen Folgen für den Regen­wald und seine Arten­viel­falt und somit letzt­end­lich zum Kollaps des ohnehin verwund­baren Ökosystems.
Daher fordern vor allem Akti­visten den Boykott bzw. das Verbot indo­ne­si­schen Palmöls.

Durch Luft­auf­nahmen und die Kartie­rung des indo­ne­si­schen Regen­waldes konnte sehr gut erkannt werden, dass bestimmte Regen­wald­stücke nicht verbunden sind, was im Endef­fekt logi­scher­weise zu einer Arten­iso­la­tion führt.

Orang-Utans und andere Tiere verlieren ihren Lebensraum
Orang-Utans und andere Tiere verlieren ihren Lebensraum

Mangel­hafter Stan­dard seitens RSPO

Die Orga­ni­sa­tion „Round­table on Sustainable Palm Oil“, kurz: RSPO, setzt sich beson­ders dafür ein, dass der inter­na­tio­nale Palm­öl­handel an Nach­hal­tig­keit gewinnt.
Aller­dings ist die Gestal­tung der Wald­kor­ri­dore und ihre Erhal­tung ein sehr wich­tiger Punkt im Aspekt der Ökologie.
So hat RSPO auch die Aufgabe, das Krite­rium zur Verbun­den­heit der Wald­flä­chen in seine Stan­dards aufzunehmen.

Laut einer weiteren Studie der Univer­sity of York sind diverse Arten heut­zu­tage durch die anstei­gende Abhol­zung des Regen­waldes und somit durch ihren schrump­fenden Lebens­raum sowie den fehlenden Erhalt der natur­be­las­senen Lebens­räume beson­ders bedroht.
Dass diese Arten die Korri­dore zwischen den Regen­wald­arealen brau­chen, um aus eigener Initia­tive umziehen zu können und um alter­na­tive Lebens­räume zu finden, liegt mitt­ler­weile klar auf der Hand.

Sarah Scriven ist eine der Co-Autorinnen der Studie, und auch sie betont, dass die Palmöl-Plan­tagen so auszu­richten wären, dass sie nicht die freie Bewe­gung der in den Regen­wäl­dern lebenden Tieren blockieren.
Denn wenn solche „Regen­wald-Inseln“ geschaffen werden, isoliere das auto­ma­tisch viele Arten, was zu einem einsei­tigem Vermi­schen des Genpools und somit zum letzt­end­li­chen Aussterben bestimmter Arten führe.

Weiterhin hofft Scriven, dass die Verschär­fung der RSPO-Krite­rien vom November 2018 eine Richt­line für die Schaf­fung von Korri­doren und der besseren Verbun­den­heit des Waldes bieten wird.

Sehr wichtig wäre laut Scriven aller­dings der Dialog mit den Konzernen und beson­ders mit der RSPO, um die Ideen und Lösungs­an­sätze umzusetzen.
Denn schluss­end­lich ist das Ökosystem auf den Arten­er­halt ange­wiesen, und beson­ders Regen­wald­be­wohner in unmit­tel­barer Nähe von Palm­öl­plan­tagen wie Orang-Utans, Vögel, Insekten und Fleder­mäuse haben schon längst einen kriti­schen Bestand erreicht.

Monotone Ölpalmenplantage wird zur Wildtieroase
Mono­tone Ölpal­men­plan­tage wird zur Wildtieroase

Ein Pilot­pro­jekt in Malaysia vom Rhino und Forest Fund könnte schon eine erste Erfolgs­ge­schichte bieten. Wissen­schaftler aus dem Leib­nitz-IZW wollen gemeinsam mit Borneos Forst­be­hörden in der Provinz von Sabah Ölpal­men­plan­tagen in Regen­wald umwan­deln. Aus 33,5 Hektar Mono­kultur soll dort zeitnah ein leben­diger Regen­wald entstehen. Dadurch sollen das Tabin-Wild­tier­re­servat mit etwa 123 000 Hektar Fläche und das Kulamba-Wild­tier­re­servat, der Teil eines anderen, knapp 80 000 Hektar großen Natur­schutz­ge­biets, verbunden werden. 

 

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